Trainer-Leitfäden · JFV Hünstetten 09

Leitfäden &
Ausbildung

Arbeitsmaterial für alle Trainerinnen und Trainer im JFV Hünstetten 09. Wissenschaftlich fundiert, praxisnah aufbereitet — von der G-Jugend bis zur A-Jugend.

Kernkasten

Das Wesentliche in wenigen Sätzen. Wer schnell etwas nachschlagen will, liest nur diese Kästen.

Mehr dazu

Vertiefung für Erfahrene: Hintergründe, Details, Begründungen. Optional — der Kernkasten reicht für die Praxis.


01   Grundlagen & Begriffe

Was im Körper
passiert.

Aerob

„Mit Sauerstoff." Tempo, das man lange halten kann — Reden ist noch möglich. Die Basis, aus der heraus sich der Körper zwischen den Sprints erholt.

Anaerob

„Ohne Sauerstoff." Kurze, harte Belastung wie Sprint oder Zweikampf. Der Sauerstoff reicht nicht mehr, Laktat entsteht, es brennt — geht nur kurz.

Kernkasten

Fußball ist ein Intervallsport

Ein Spiel ist kein Dauerlauf, sondern ständiger Wechsel aus Sprint, Zweikampf und Pause. Beides zählt: die aerobe Basis sorgt für schnelle Erholung, die anaerobe Leistung für die kurzen, entscheidenden Aktionen.

Wichtig für Kinder: Sie erholen sich zwischen intensiven Belastungen schneller als Erwachsene und arbeiten von Natur aus stärker aerob. Reines Laktat- oder „Kotz-Training" ist deshalb fehl am Platz.

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Die fünf motorischen Grundeigenschaften

Jede sportliche Leistung setzt sich aus fünf Bausteinen zusammen. Im Kinderfußball stehen die ersten beiden klar im Vordergrund:

  • Koordination — Bewegungssteuerung, Geschicklichkeit, Ballgefühl
  • Schnelligkeit — Antritt, Reaktion, Richtungswechsel
  • Ausdauer — durchhalten und schnell regenerieren
  • Kraft — Stabilität, Sprung, Robustheit im Zweikampf
  • Beweglichkeit — Bewegungsreichweite der Gelenke

Belastung, Erholung, Superkompensation

Ein Trainingsreiz ermüdet zuerst. In der Erholung baut der Körper sich etwas leistungsfähiger wieder auf als vorher — das ist Superkompensation. Ohne ausreichende Erholung kein Fortschritt. Bei Kindern ist das Wachstum selbst eine zusätzliche Dauerbelastung.


02   Altersgerechte Entwicklung

Früh spielerisch,
später gezielt.

Wir denken in drei Blöcken statt in einzelnen Jahrgängen. Die Altersangaben sind Richtwerte — entscheidend ist der Entwicklungsstand, nicht das Geburtsjahr.

Block A
Grundlagen
G–F · ca. 5–8 J.

Bewegungsvielfalt & Koordination — alles im Spiel.

Kein strukturiertes Athletiktraining. „Athletik" heißt hier: Fangen, Hüpfen, Klettern, Balancieren, viel Ballkontakt.

Block B
Aufbau
E–D · ca. 9–12 J.

Koordination & Schnelligkeit — möglichst mit Ball.

Das „goldene Lernalter": Technik und schnelle Bewegungen sitzen jetzt besonders gut. Kraft nur über das eigene Körpergewicht.

Block C
Leistung
C–A · ca. 13–18 J.

Gezielt Kraft & Ausdauer — ab dem Wachstumsschub.

Jetzt wird strukturiert trainiert: erst Bewegungstechnik mit Eigengewicht, dann schrittweise Zusatzlast. Verletzungsprophylaxe wird Pflicht.

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„Sensible Phasen" — nützlich, aber kein Gesetz

Das Modell der sensiblen Phasen besagt: Manche Eigenschaften lassen sich in bestimmten Altersfenstern besonders gut entwickeln. Die scharfe Abgrenzung ist wissenschaftlich umstritten — aber der praktische Kern stimmt: früh Technik und Koordination, gezielte Kraft und Ausdauer erst später.


03   Athletik in der Praxis

Gute Reize,
verpackt als Spiel.

Kernkasten

Ausdauer ohne Rundenlaufen

Ausdauer im Kinderfußball entsteht spielnah und intervallartig — am besten mit Ball. Kleinfeldspiele, Staffeln und Parcours fordern Herz und Beine genauso wie monotones Laufen, nur motivierender und näher an der Spielanforderung.

Kurze, intensive Intervalle (Sprint–Pause–Sprint) sind bei Jugendlichen besonders wirksam. Lange Dauerläufe und Strafrunden gehören nicht ins Training.

Gut — so trainieren
  • Kleinfeldspiele (3 gegen 3, 4 gegen 4) mit vielen Aktionen
  • Staffeln & Parcours mit Richtungswechseln
  • Kurze Sprint-Intervalle mit echten Pausen
  • Fang- und Reaktionsspiele zum Aufwärmen
  • Sprung- und Hüpfformen für Kraft & Koordination
Vermeiden — veraltet
  • Lange, monotone Dauerläufe ohne Ball
  • Strafrunden als Disziplinierung
  • Isoliertes „Kondition bolzen" am Saisonanfang
  • Maximalkraft an Geräten vor der Reife
  • Statisches Dehnen direkt vor der Belastung

Beispiele zum Nachmachen

Schattenlauf
Schnelligkeit · Reaktion · ab Block B

Ziel: Antritt und Richtungswechsel ohne Vorankündigung.

So geht's: Paarweise. Vorderer läuft frei mit Tempowechseln, Hintermann „klebt" als Schatten dran. Nach 15–20 Sek. Wechsel.

Achten auf: Kurze Belastung, echte Pausen. Tempo vor Dauer.

Inseln räumen
Ausdauer · Spielform · ab Block B

Ziel: Viele Antritte in Spielform statt Rundenlaufen.

So geht's: Zwei Teams, in der Mitte verteilte Bälle. Auf Signal so viele wie möglich ins eigene Feld holen — einzeln, im Sprint.

Achten auf: Felder so groß wählen, dass echte Sprints entstehen.

Hütchen-Hopser
Kraft · Koordination · ab Block B

Ziel: Sprungkraft und saubere Landung — Basis für Knie-Stabilität.

So geht's: Über niedrige Hütchen beidbeinig springen, weich landen, kurz stabil stehen. Später einbeinig.

Achten auf: Knie zeigt über die Fußspitze, nicht nach innen.

Zahlen-Fangen
Aufwärmen · Reaktion · alle Blöcke

Ziel: Spielerisch warm werden, Kopf und Beine aktivieren.

So geht's: Alle laufen frei. Trainer ruft eine Zahl — so große Gruppen bilden sich blitzschnell, Letzte bekommen eine Mini-Aufgabe.

Achten auf: Locker halten, kein Strafcharakter.

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Krafttraining: was ab wann?

Krafttraining für Kinder ist sicher und sinnvoll (American Academy of Pediatrics, 2020/2024). Schon ab etwa 5–7 Jahren spielerisch über Eigengewicht (Hampelmann, Froschsprünge, Hüpfen). Zusatzlast erst mit körperlicher Reife und sauberer Technik.


04   FIFA 11+ & Verletzungsprophylaxe

Aufwärmen,
das schützt.

~48%
weniger Verletzungen
mit 11+ Kids
~74%
weniger schwere
Verletzungen
60–90%
der Verletzungen an
der unteren Extremität

Die meisten Verletzungen im Kinderfußball treffen Knöchel, Knie und Oberschenkel — und U-14 ist die anfälligste Gruppe. Ein gutes, festes Aufwärmprogramm ist die wirksamste und billigste Prophylaxe.

11+ Kids · 7–13 J. 11+ Original · ab 14 J. mind. 2× pro Woche
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Was ist FIFA 11+ Kids?

Ein trainergeführtes Aufwärmprogramm für 7- bis 13-Jährige, rund 15–20 Minuten, sieben Übungen: Laufspiel, Sprungformen, Balance, Rumpfstabilität, Falltechnik. Es ersetzt das normale Aufwärmen — kostet also keine zusätzliche Zeit.

Ab 14: das Original

Ab etwa 14 Jahren wechselt man zum FIFA 11+ (Originalversion). Teams, die es mindestens zweimal pro Woche durchführen, hatten 30–50 % weniger verletzte Spielerinnen und Spieler.

Praxis-Tipp: Das Programm fest in den Trainingsbeginn einbauen und selbst anleiten. Wirkt nur, wenn es regelmäßig und sauber ausgeführt wird.

05   Training aufbauen & steuern

Eine Einheit,
drei Teile.

1
Aufwärmen

Spielerisch aktivieren, dynamisch dehnen. Hier sitzt das FIFA-11+-Programm.

2
Hauptteil

Schwerpunkt der Einheit — Technik und schnelle Inhalte früh, wenn Köpfe und Beine frisch sind.

3
Ausklang

Lockeres Spiel, ruhig ausrollen, kurzes Feedback. Den Abschluss positiv halten.

Kernkasten

Dehnen — wann was

Vor dem Training: dynamisch. Beinschwünge, Ausfallschritte, Anfersen, Hüftkreisen. Das FIFA-11+-Aufwärmen ist genau das.

Nach dem Training: statisch. Ruhiges Halten (20–30 Sek.) verbessert auf Dauer die Beweglichkeit. Nicht als alleiniges Aufwärmen davor.

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Belastung & Erholung im Blick behalten

  • Intensive Inhalte und Spieltage über die Woche verteilen
  • Schlaf ist die wichtigste Regeneration — gerade bei Jugendlichen
  • Mehrfachbelastung beachten: Schule, Verein, andere Sportarten
  • Schmerzen, die bleiben, ernst nehmen — nicht „wegtrainieren"

06   Ernährung & Regeneration

Gutes Essen,
keine Pulver.

Sportlerernährung im Jugendbereich ist keine Wissenschaft aus Supplementen, sondern normales, ausgewogenes Essen mit etwas Timing. „Food first" — echtes Essen vor Pulvern.

Vorher

Etwa 30–60 Min. vorher eine leichte, kohlenhydratbetonte Kleinigkeit: Obst, Riegel, etwas Brot. Große Mahlzeiten mit 2–3 Stunden Abstand.

Trinken

Über den ganzen Tag verteilt Wasser. Bei normalen Einheiten unter einer Stunde reicht Wasser völlig.

Nachher

In den ersten ein bis zwei Stunden eine Mahlzeit aus Kohlenhydraten und etwas Eiweiß — füllt die Speicher und unterstützt die Muskulatur.

Vegan / vegetarisch

Problemlos abbildbar. Eiweiß aus Hülsenfrüchten, Tofu, Vollkorn, Nüssen. Auf Eisen, Vitamin B12 und Kalzium achten.

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Energydrinks gehören nicht hierher

Koffeinhaltige Energydrinks sind für Kinder und Jugendliche im Sport ungeeignet. Wasser und gutes Essen decken den Bedarf vollständig.


Quellen & Links

Stand Mai 2026. Fachgesellschaften und systematische Übersichten.

  1. FIFA 11+ Kids — Wirksamkeit (Systematic Review). Journal of Orthopaedic Surgery and Research, 2024. link.springer.com
  2. FIFA 11+ Kids — Verletzungsprävention (Meta-Analyse). Int. J. Environ. Res. Public Health, 2022. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9566496
  3. Resistance Training for Children and Adolescents. American Academy of Pediatrics, 2020 (bestätigt 11/2024). publications.aap.org
  4. Position Statement on Youth Resistance Training: 2014 International Consensus. British Journal of Sports Medicine. bjsm.bmj.com/content/48/7/498
  5. Youth Athlete Development Models — Narrative Review. 2021. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8669922
  6. HIIT & Ausdauer bei jungen Athleten — Meta-Analyse. 2025. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12497894
  7. Optimizing Performance Nutrition for Adolescent Athletes. Nutrients, 2025. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12430154
  8. Practical Recommendations on Stretching — Delphi-Konsens. J. Sport and Health Science, 2025. sciencedirect.com
Hinweis Dieser Leitfaden ist eine Arbeitsgrundlage, keine medizinische Beratung. Bei Verletzungen oder gesundheitlichen Fragen gilt der Rat von Ärztin oder Physiotherapeut. Die ausführliche Fassung mit allen Hintergründen: Athletik-Leitfaden (Langfassung).

Kernkasten

Das Wesentliche in wenigen Sätzen. Wer schnell etwas nachschlagen will, liest nur diese Kästen.

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Vertiefung für Erfahrene: Hintergründe, Details, Begründungen. Optional — der Kernkasten reicht für die Praxis.


01   Technik vor Taktik — was heißt das?

Erst der Ball,
dann der Plan.

Kernkasten

Ohne Technik nützt die beste Taktik nichts

Technik ist das Handwerkszeug am Ball — Annahme, Pass, Dribbling, Schuss. Wer den Ball nicht sauber annehmen kann, kann nicht passen. Deshalb gilt im Jugendbereich: Technik vor Taktik — Kernaussage der DFB-Ausbildung.

Im Kinderfußball geht es noch nicht um Systeme, sondern um Spielintelligenz: sehen, entscheiden, handeln. Das wächst aus vielen Ballkontakten — nicht aus Tafelbildern.

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Drei Ebenen der Taktik

  • Individualtaktik — Entscheidungen im 1 gegen 1. Schwerpunkt E- und D-Jugend.
  • Gruppentaktik — Zusammenspiel zu zweit bis viert. Schwerpunkt D- und C-Jugend.
  • Mannschaftstaktik — das Team als Einheit. Schwerpunkt B- und A-Jugend.

02   Die vier Grundtechniken

Vier Bausteine,
jeden Tag.

Diese vier Techniken machen den Kern des Trainings aus — vom ersten Jahr an. Reihenfolge nach Wichtigkeit: Annahme zuerst, dann Pass, Dribbling, Schuss.

Ballannahme
Schwerpunkt ab F · zentral

Die wichtigste Technik. Wer den Ball nicht sauber annimmt, kommt gar nicht erst zur nächsten Aktion.

Was üben: Innenseite, Sohle, Außenseite. „Positive Annahme" — erste Berührung in Spielrichtung.

Passen
Schwerpunkt ab F · ständig

Innenseite für kurze, präzise Pässe. Innenspann für lange, scharfe Bälle.

Was üben: Standbein neben den Ball, Spielbein durchschwingt, Pass kommt flach an.

Dribbling
Schwerpunkt ab G · prägend

Zwei Funktionen: Ball sichern und Gegner ausspielen.

Was üben: Viele Ballkontakte, beide Füße. Einfache Finten ab E: Ausfallschritt, Übersteiger.

Torschuss
Schwerpunkt ab E · regelmäßig

Innenseite für Präzision. Vollspann für Wucht. Aus dem Lauf, aus dem Stand, beide Füße.

Was üben: Standbein-Position, Auge am Ball, Schussfuß nicht verkrampft.

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Beidfüßigkeit ist kein Bonus, sondern Standard

Jede Technik wird mit beiden Füßen geübt — von Anfang an. Faustregel: was der starke Fuß macht, macht der schwache mindestens halb so oft.

Technik lebt vom Wiederholen

Eine Bewegung sitzt erst nach hunderten sauberen Wiederholungen. Lieber viele kurze Technik-Einheiten als seltene lange — und immer mit Bezug zum Spiel.


03   Kopfball — sensibel, nicht verboten

Lernen, aber
mit Augenmaß.

Kernkasten

Die DFB-Linie: heranführen statt verbieten

Anders als in England oder den USA gibt es in Deutschland kein Kopfballverbot für Kinder. Der DFB setzt auf altersgerechte Heranführung.

Praxis: Schaumstoffbälle, Luftballons, Ultralight-Bälle. Ball aus der Hand zuwerfen. Wenige Wiederholungen. Bei nasskaltem Wetter weglassen.

Was hilft
  • Ultralight-Ball (290 g) oder Schaumstoffball
  • Niedrigster zugelassener Balldruck
  • Ball aus der Hand werfen
  • Stirn frontal treffen, Auge offen
  • Wenige Wiederholungen, lange Pausen
Was vermeiden
  • Kopfball-Schwerpunkttraining vor der C-Jugend
  • Lange Distanzen bei Jüngeren
  • Geköpfte Bälle bei nasskaltem Wetter
  • Köpfen mit Schmerzen oder nach Kopfstoß
Bei Verdacht auf Gehirnerschütterung: sofort raus, nicht weiterspielen lassen. Auch leichte Symptome ernst nehmen und ärztlich abklären.
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Wettkampf-Ball-Größen

  • G/F-Jugend: Größe 3 oder 4 Light (290 g)
  • E-Jugend: Größe 4 Light (290 g)
  • D-Jugend: Größe 5 Light (350 g)
  • Ab C-Jugend: normaler Ball, Kopfball regulär im Training

04   Spielintelligenz & Entscheidungen

Sehen, denken,
handeln.

Spielintelligenz wächst durch viele Spielsituationen, in denen das Kind selbst entscheidet — nicht aus Erklärungen.

1
Wahrnehmen

Wo ist der Gegner? Wo der Mitspieler? Schulterblick vor dem Ball.

2
Entscheiden

Pass, Dribbling oder Schuss? Die richtige Entscheidung beginnt im Kopf.

3
Handeln

Jetzt kommt die Technik — sauber, zielgerichtet, im richtigen Tempo.

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Schulterblick — kleines Wort, großer Hebel

Schon F-Jugendliche können lernen, vor der Ballannahme kurz über die Schulter zu sehen. Üben durch „Farbenrufen" oder „Zahlenrufen" im letzten Moment vor dem Ballkontakt.

Differenzielles Lernen

Variation schlägt Wiederholung: Wer dieselbe Bewegung in vielen kleinen Variationen ausprobiert, lernt schneller als wer sie immer gleich übt.


05   Spielformen statt Frontaltraining

So viel Spiel
wie möglich.

Kernkasten

Kleinfeldspiele lehren am meisten

Kleine Spielformen (3 gegen 3, 4 gegen 4, Funino) bringen pro Kind mehr Ballkontakte, mehr Entscheidungen und mehr Intensität als jede andere Übungsform.

Faustregel: So viel Spiel wie möglich, so viel Übung wie nötig.

Beispielhafte Spielformen

Funino · 3 gegen 3 auf 4 Minitore
Ab G · alle Techniken · Spielintelligenz

Idee: Zwei Minitore pro Team, kein Torwart, kein Schiedsrichter.

So geht's: Feld ca. 25 × 20 m. Kein Coachen am Ball — die Kinder entscheiden selbst.

Pass-Parcours mit Entscheidung
Ab E · Passen · Wahrnehmung

Idee: Annahme und Pass mit eingebauter Entscheidung.

So geht's: Trainer ruft im Moment der Annahme eine Farbe — zu der entsprechenden Station passen.

1 gegen 1 mit zwei Toren
Ab E · Dribbling · Individualtaktik

Idee: Angreifer hat zwei Tore zur Auswahl — Verteidiger kann nicht beide decken.

Achten auf: Finte erzwingt eine Reaktion. Tempo nach der Finte, nicht davor.

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Trainingsaufbau, der trägt

  • Aufwärmen — spielerisch aktivieren, FIFA 11+ Kids einbauen
  • Technikblock — ein Schwerpunkt, kurz und konzentriert
  • Spielform mit Schwerpunkt — derselbe Inhalt im Spiel
  • Freies Spiel — als Belohnung und als ehrlicher Lernraum

06   Coaching-Prinzipien

Wie wir
Trainer sind.

Diese Prinzipien sind eine Haltung. Wer sie verinnerlicht, wird auch mit wenig Fachwissen ein guter Trainer.

1
Vormachen statt nur erklären

Kinder lernen über das Bild. Eine Bewegung kurz zeigen wirkt mehr als drei Minuten Beschreibung.

2
Fragen statt Anweisen

„Wo war Platz?" „Was hättest du sonst machen können?" Fragen fördern Denken, nicht Gehorsam.

3
Lob für Entscheidungen, nicht nur für Tore

Wer den richtigen Pass spielt und der Mitspieler vergibt: trotzdem gut gemacht.

4
Begeisterung statt Strafe

Strafrunden, lautes Schimpfen, Bloßstellen haben im Jugendfußball nichts zu suchen.

5
Fair-Play-Liga ernst nehmen

Im Kinderbereich (G/F) bleiben Eltern und Trainer hinter der Coachingzone. Die Kinder entscheiden selbst.

6
Lieber wenige Prinzipien sauber

Drei Dinge, die richtig sitzen, schlagen zehn halbgare. Ein Schwerpunkt pro Einheit reicht.

An die neuen Trainer: Niemand erwartet, dass ihr alles wisst. Wer fragt, lernt — Kollegen, Lehrgänge und der Sportliche Leiter sind da.

Quellen & Links

Stand Mai 2026. DFB-Konzeption, Verbands-Empfehlungen und wissenschaftliche Übersichten.

  1. DFB-Ausbildungskonzeption „Unser Weg". Deutscher Fußball-Bund, 2024. dfb.de/trainer
  2. Neue Spielformen im Kinderfußball. DFB-Rahmenwerk, seit Saison 2024/25 verbindlich. dfb.de/mehr-fussball/kinderfussball
  3. Altersgerechtes Kopfballspiel im Kinder- und Jugendfußball. DFB-Richtlinien, 2022. dfb.de — Kopfball-Richtlinien
  4. FA Heading Guidance — Phasing out heading in youth football. The Football Association, 2024. thefa.com
  5. Small-Sided Games in European Academies. ScienceDirect, 2026. sciencedirect.com
  6. Effects of Small-Sided Games on Technical Skills in Youth Soccer. NCBI/PMC. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12800094
  7. FUNiño — Spielform im Kinderfußball. fussballtraining.com. fussballtraining.com
Hinweis Dieser Leitfaden ist eine Arbeitsgrundlage, keine medizinische Beratung. Athletik- und Konditions-Inhalte findest du im Tab „Athletik-Leitfaden". Die ausführliche Fassung mit allen Hintergründen: Technik-Leitfaden (Langfassung).

Kernkasten

Das Wesentliche in wenigen Sätzen. Wer schnell etwas nachschlagen will, liest nur diese Kästen.

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Vertiefung für Erfahrene: Hintergründe, Details, Begründungen. Optional — der Kernkasten reicht für die Praxis.


01   Die drei Taktik-Ebenen

Vom Einzelnen
zur Mannschaft.

Kernkasten

Taktik ist mehr als Spielsystem

Die DFB-Konzeption unterscheidet drei Ebenen, die aufeinander aufbauen. Individualtaktik kommt zuerst — sie ist die Voraussetzung für Gruppentaktik, und die wiederum für Mannschaftstaktik. Wer mit 11-Jährigen Pressing-Schemata einübt, ohne dass sie das 1 gegen 1 lösen können, baut auf Sand.

Individualtaktik
Schwerpunkt E–D · 1 gegen 1

Was der einzelne Spieler entscheidet: Anbieten, Lösen vom Gegner, ausspielen oder abspielen. Das Fundament jeder Taktik.

Gruppentaktik
Schwerpunkt D–C · 2 bis 4 Spieler

Zusammenspiel im kleinen Verbund: Doppelpass, Hinterlaufen, gemeinsames Pressing, Absichern.

Mannschaftstaktik
Schwerpunkt B–A · gesamtes Team

Das Team als Einheit: Spielsystem, Aufbau, Verschieben, Standards, Pressing-Höhen.

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Warum diese Reihenfolge wichtig ist

Mannschaftstaktik funktioniert nur, wenn die individuellen Bausteine sitzen. Wenn ein D-Jugendlicher sich nicht vom Gegner lösen kann, hilft ihm keine Pressing-Auslöser-Karte. Erst das 1 gegen 1 beherrschen, dann Zusammenspiel zu zweit/dritt, dann Systeme.

Wo wir die Stufen einüben

Individualtaktik im 1-gegen-1- und 2-gegen-2-Spiel. Gruppentaktik in kleinen Spielformen mit Über- oder Unterzahl (3 gegen 2, 4 gegen 3). Mannschaftstaktik in größeren Spielformen (7 gegen 7, 9 gegen 9, 11 gegen 11).


02   Altersgerechte Schwerpunkte

Was wann
im Vordergrund.

Drei Blöcke vom freien Spiel zum strukturierten Mannschaftsspiel. Die Altersangaben sind Richtwerte — der Entwicklungsstand entscheidet.

Block A
Grundlagen
G–F · 5–8 J.

Spielen, spielen, spielen — keine Taktik.

Ballgewöhnung, viele Ballkontakte, freies Spielen. Keine festen Positionen, kein Spielsystem. Wer hier Taktik einübt, raubt Lernzeit für die Basis.

Block B · früh
Aufbau (E)
E · 9–10 J.

1 gegen 1 — Individualtaktik im Mittelpunkt.

Anbieten und Lösen, ausspielen oder abspielen. Erste sehr lose Aufteilung im Spiel (vorn/hinten) — Positionen rotieren, alle spielen alles.

Block B · spät
Aufbau (D)
D · 11–12 J.

Gruppentaktik wird Thema.

Doppelpass, Hinterlaufen, Anspielpunkte. Erste Spielsystem-Ideen (3-3-2 im 9 gegen 9). Positionsrotation bleibt wichtig.

Block C · früh
Leistung (C)
C · 13–14 J.

Mannschaftstaktik auf dem Großfeld.

Erstmals 11 gegen 11. Klares Spielsystem (4-3-3, 4-4-2), Positionsverständnis, Aufbau aus der Abwehr, Pressing-Höhen.

Block C · spät
Leistung (B/A)
B–A · 15–18 J.

Feinschliff und Flexibilität.

Mehrere Spielsysteme kennenlernen, Anpassung an Gegner. Detaillierte Standards, Spielphasen-Verständnis.

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Positionen rotieren — auch in der D

Wer ein Kind in der E- oder D-Jugend dauerhaft als Innenverteidiger oder Stürmer festlegt, raubt ihm Erfahrungen. Erst ab der C-Jugend kristallisieren sich Positionen sinnvoll heraus.

Hessischer Verband — eigene Regelungen prüfen

Die DFB-Rahmenregelung ist verbindlich, aber der HFV kann innerhalb des Rahmens eigene Akzente setzen. Vor jeder Saison kurz prüfen, was aktuell gilt.


03   Spielformen je Alter (DFB-Reform)

Kleinere Felder,
mehr Aktionen.

Kernkasten

Seit 2024/25 bundesweit verbindlich

Der DFB hat die Wettkampfformate für G-, F- und E-Jugend reformiert. Kleinere Mannschaften auf kleineren Feldern, oft auf Minitore, mit Rotationsprinzip. Ziel: mehr Ballaktionen, mehr Tore, mehr Erfolgserlebnisse pro Kind.

G-Jugend · U6/U7
2v2 oder 3v3
auf 4 Minitore

Feld 16 × 20 m, kein Torwart, kein Schiedsrichter.

Keine Meisterschaftsrunde, stattdessen Spielenachmittage und Festivals.

2v23v34 Minitore
F-Jugend · U8/U9
3v3 (empfohlen)
26–28 × 20–22 m

3 gegen 3 für maximale Ballaktionen.

Alternativ 5 gegen 5. Kein Meisterschaftssystem, Festival-Format, 12 Minuten pro Durchgang.

3v35v5 alt.Funino
E-Jugend · U10/U11
5v5 / 7v7
bis 55 × 35 m

Übergang zum Spiel mit Torwart.

5 gegen 5 wie in der F-Jugend — oder 7 gegen 7 mit Torwart und zwei Kleinfeldtoren.

5v57v7
D-Jugend · U12/U13
9 gegen 9 Kleinfeld
seit 2011/12 Standard

Brücke zum Großfeld.

9 gegen 9 vermeidet den zu großen Sprung. Erstmals mit Abseits. Platz für erste Spielsystem-Ideen.

9v9Abseits
C-Jugend · U14/U15
11 gegen 11 Großfeld
erstmals

Voller Wettkampf-Modus.

Großes Feld, volle Mannschaftsstärke, alle Regeln. Positionen, Systeme, Standards.

11v11Großfeld
Hinweis: Diese Angaben sind die DFB-Bundesregelung. Der HFV kann eigene Detailregelungen treffen. Vor jeder Saison den HFV-Spielbetrieb prüfen.

04   Spielsysteme — wann welches

System als
Mittel zum Zweck.

Ein Spielsystem ist eine Grundordnung — wo stehen die Spieler in der Anfangsformation. Im Jugendfußball wählen wir es so, dass die Kinder es verstehen und es zur Entwicklungsstufe passt — nicht nach Profi-Mode.

E-Jugend · 7 gegen 7

1–3–2 oder 1–2–3

Sehr einfache Aufteilung. Wenig Anweisungen, viel Rotation.

Achten auf: Positionen sind keine festen Aufgaben — Spieler sollen sich bewegen, wo das Spiel sie ruft.

D-Jugend · 9 gegen 9

3–3–2

Dreierkette lehrt Verschieben im Verbund. Drei im MF erlauben Passdreiecke.

Achten auf: Brücke zum 11er-System — die Grundideen leben auf dem Großfeld weiter.

C-Jugend · 11 gegen 11

4–3–3 (Lern-System)

Viererkette + Dreiecke im MF + Breite vorn. Jede Position hat eine klare Aufgabe.

Achten auf: Wichtiger als die Systemwahl: dass alle die Grundordnung verstehen.

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Profi-Trends nicht 1:1 übernehmen

Profi-Mannschaften spielen 4-2-3-1 oder 3-4-3. Für Kinder zu komplex — wir nehmen einfache Grundsysteme und sorgen dafür, dass sie wirklich verstanden werden.

B/A: mehrere Systeme kennenlernen

Erst ab der B-Jugend macht es Sinn, verschiedene Systeme einzuüben und je nach Gegner zu wechseln.


05   Mannschaftstaktik · Grundbegriffe

Vier Konzepte,
die jeder kennt.

Diese vier Begriffe begegnen jedem Trainer ab D-Jugend ständig. Hier kompakt erklärt — damit alle dasselbe meinen, wenn sie auf dem Platz davon reden.

Aufbauspiel

Wie der Ball vom eigenen Tor nach vorn kommt. Kurz und sicher mit Pässen, oder lang über die Spitze.

Ab D-Jugend Thema: Aufbau über Außenverteidiger, Anbieten der Sechs, Pässe ins Mittelfeld.

Pressing

Wann und wo der Gegner gestört wird. Hoch (gleich nach Ballverlust), mittel (im Mittelfeld) oder tief (am eigenen Strafraum).

Im Jugendbereich beginnt es mit „Wer geht zum Ball?" und „Wer sichert ab?"

Umschalten

Der Moment des Ballwechsels. Bei Ballverlust sofort verteidigen, bei Balleroberung schnell nach vorn.

Die ersten Sekunden nach dem Ballwechsel bestimmen, ob daraus eine Chance wird — oder ein Gegentor.

Verschieben

Die Abwehrkette und das Team bewegen sich als Einheit zum Ball, nicht als einzelne Spieler.

Faustregel: alle gehen zwei Schritte zur Ballseite. Das schließt Räume zur Mitte.

Praxis-Tipp: Diese Begriffe kommen früh in den Sprachgebrauch. Wer ab der D-Jugend „verschiebt" und „umschaltet" sagt, lernt mit der Sprache das Konzept.
Mehr dazu

Spielphasen — der gemeinsame Rahmen

Modern wird Fußball in vier Spielphasen gedacht: Ballbesitz, Umschalten nach Ballverlust, Verteidigen und Umschalten nach Balleroberung. Eine nützliche Sortierung für die Trainingsplanung auch bei C- und B-Jugend.

Standards nicht vergessen

Ab dem 11er-Feld werden Standards (Ecken, Freistöße) ein eigenes Trainingsthema. Studien zeigen, dass 25–35 % aller Tore aus Standards fallen — das verdient Zeit.


Quellen & Links

Stand Mai 2026. DFB-Konzeption, Verbandsregelungen und wissenschaftliche Übersichten.

  1. DFB-Ausbildungskonzeption „Unser Weg". Deutscher Fußball-Bund, 2024. dfb.de/trainer
  2. Neue Spielformen im Kinderfußball — Übersicht & FAQ. DFB, verbindlich seit 2024/25. dfb.de/mehr-fussball/kinderfussball
  3. Die neuen Spielformen im Kinderfußball — Mannschaftsgrößen & Feldmaße. fussball.de Training-Service. training-service.fussball.de
  4. 9 gegen 9 mit D-Junioren. fussball.de Training-Service. training-service.fussball.de — 9 gegen 9
  5. Hessischer Fußball-Verband — Jugendspielbetrieb. hfv-online.de
  6. Spielsysteme auf dem 9er-Feld. soccerdrills.de. soccerdrills.de
  7. Tactical Behaviour of Youth Soccer Players. PMC, 2020. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Effects of Tactical Formations on Team Behaviors in Youth Soccer. NCBI/PMC. ncbi.nlm.nih.gov
  9. Small-Sided Games in Top European Academies. ScienceDirect, 2026. sciencedirect.com
Hinweis Dieser Leitfaden ist eine Arbeitsgrundlage. Die DFB- und Verbandsregelungen ändern sich gelegentlich — vor jeder Saison kurz die aktuell gültigen Spielbetriebsregeln prüfen.