Leitfäden &
Ausbildung
Arbeitsmaterial für alle Trainerinnen und Trainer im JFV Hünstetten 09. Wissenschaftlich fundiert, praxisnah aufbereitet — von der G-Jugend bis zur A-Jugend.
Kernkasten
Das Wesentliche in wenigen Sätzen. Wer schnell etwas nachschlagen will, liest nur diese Kästen.
Mehr dazu
Vertiefung für Erfahrene: Hintergründe, Details, Begründungen. Optional — der Kernkasten reicht für die Praxis.
01 Grundlagen & Begriffe
Was im Körper
passiert.
„Mit Sauerstoff." Tempo, das man lange halten kann — Reden ist noch möglich. Die Basis, aus der heraus sich der Körper zwischen den Sprints erholt.
„Ohne Sauerstoff." Kurze, harte Belastung wie Sprint oder Zweikampf. Der Sauerstoff reicht nicht mehr, Laktat entsteht, es brennt — geht nur kurz.
Fußball ist ein Intervallsport
Ein Spiel ist kein Dauerlauf, sondern ständiger Wechsel aus Sprint, Zweikampf und Pause. Beides zählt: die aerobe Basis sorgt für schnelle Erholung, die anaerobe Leistung für die kurzen, entscheidenden Aktionen.
Wichtig für Kinder: Sie erholen sich zwischen intensiven Belastungen schneller als Erwachsene und arbeiten von Natur aus stärker aerob. Reines Laktat- oder „Kotz-Training" ist deshalb fehl am Platz.
Die fünf motorischen Grundeigenschaften
Jede sportliche Leistung setzt sich aus fünf Bausteinen zusammen. Im Kinderfußball stehen die ersten beiden klar im Vordergrund:
- Koordination — Bewegungssteuerung, Geschicklichkeit, Ballgefühl
- Schnelligkeit — Antritt, Reaktion, Richtungswechsel
- Ausdauer — durchhalten und schnell regenerieren
- Kraft — Stabilität, Sprung, Robustheit im Zweikampf
- Beweglichkeit — Bewegungsreichweite der Gelenke
Belastung, Erholung, Superkompensation
Ein Trainingsreiz ermüdet zuerst. In der Erholung baut der Körper sich etwas leistungsfähiger wieder auf als vorher — das ist Superkompensation. Ohne ausreichende Erholung kein Fortschritt. Bei Kindern ist das Wachstum selbst eine zusätzliche Dauerbelastung.
02 Altersgerechte Entwicklung
Früh spielerisch,
später gezielt.
Wir denken in drei Blöcken statt in einzelnen Jahrgängen. Die Altersangaben sind Richtwerte — entscheidend ist der Entwicklungsstand, nicht das Geburtsjahr.
Bewegungsvielfalt & Koordination — alles im Spiel.
Kein strukturiertes Athletiktraining. „Athletik" heißt hier: Fangen, Hüpfen, Klettern, Balancieren, viel Ballkontakt.
Koordination & Schnelligkeit — möglichst mit Ball.
Das „goldene Lernalter": Technik und schnelle Bewegungen sitzen jetzt besonders gut. Kraft nur über das eigene Körpergewicht.
Gezielt Kraft & Ausdauer — ab dem Wachstumsschub.
Jetzt wird strukturiert trainiert: erst Bewegungstechnik mit Eigengewicht, dann schrittweise Zusatzlast. Verletzungsprophylaxe wird Pflicht.
„Sensible Phasen" — nützlich, aber kein Gesetz
Das Modell der sensiblen Phasen besagt: Manche Eigenschaften lassen sich in bestimmten Altersfenstern besonders gut entwickeln. Die scharfe Abgrenzung ist wissenschaftlich umstritten — aber der praktische Kern stimmt: früh Technik und Koordination, gezielte Kraft und Ausdauer erst später.
03 Athletik in der Praxis
Gute Reize,
verpackt als Spiel.
Ausdauer ohne Rundenlaufen
Ausdauer im Kinderfußball entsteht spielnah und intervallartig — am besten mit Ball. Kleinfeldspiele, Staffeln und Parcours fordern Herz und Beine genauso wie monotones Laufen, nur motivierender und näher an der Spielanforderung.
Kurze, intensive Intervalle (Sprint–Pause–Sprint) sind bei Jugendlichen besonders wirksam. Lange Dauerläufe und Strafrunden gehören nicht ins Training.
- Kleinfeldspiele (3 gegen 3, 4 gegen 4) mit vielen Aktionen
- Staffeln & Parcours mit Richtungswechseln
- Kurze Sprint-Intervalle mit echten Pausen
- Fang- und Reaktionsspiele zum Aufwärmen
- Sprung- und Hüpfformen für Kraft & Koordination
- Lange, monotone Dauerläufe ohne Ball
- Strafrunden als Disziplinierung
- Isoliertes „Kondition bolzen" am Saisonanfang
- Maximalkraft an Geräten vor der Reife
- Statisches Dehnen direkt vor der Belastung
Beispiele zum Nachmachen
Ziel: Antritt und Richtungswechsel ohne Vorankündigung.
So geht's: Paarweise. Vorderer läuft frei mit Tempowechseln, Hintermann „klebt" als Schatten dran. Nach 15–20 Sek. Wechsel.
Achten auf: Kurze Belastung, echte Pausen. Tempo vor Dauer.
Ziel: Viele Antritte in Spielform statt Rundenlaufen.
So geht's: Zwei Teams, in der Mitte verteilte Bälle. Auf Signal so viele wie möglich ins eigene Feld holen — einzeln, im Sprint.
Achten auf: Felder so groß wählen, dass echte Sprints entstehen.
Ziel: Sprungkraft und saubere Landung — Basis für Knie-Stabilität.
So geht's: Über niedrige Hütchen beidbeinig springen, weich landen, kurz stabil stehen. Später einbeinig.
Achten auf: Knie zeigt über die Fußspitze, nicht nach innen.
Ziel: Spielerisch warm werden, Kopf und Beine aktivieren.
So geht's: Alle laufen frei. Trainer ruft eine Zahl — so große Gruppen bilden sich blitzschnell, Letzte bekommen eine Mini-Aufgabe.
Achten auf: Locker halten, kein Strafcharakter.
Krafttraining: was ab wann?
Krafttraining für Kinder ist sicher und sinnvoll (American Academy of Pediatrics, 2020/2024). Schon ab etwa 5–7 Jahren spielerisch über Eigengewicht (Hampelmann, Froschsprünge, Hüpfen). Zusatzlast erst mit körperlicher Reife und sauberer Technik.
04 FIFA 11+ & Verletzungsprophylaxe
Aufwärmen,
das schützt.
mit 11+ Kids
Verletzungen
der unteren Extremität
Die meisten Verletzungen im Kinderfußball treffen Knöchel, Knie und Oberschenkel — und U-14 ist die anfälligste Gruppe. Ein gutes, festes Aufwärmprogramm ist die wirksamste und billigste Prophylaxe.
Was ist FIFA 11+ Kids?
Ein trainergeführtes Aufwärmprogramm für 7- bis 13-Jährige, rund 15–20 Minuten, sieben Übungen: Laufspiel, Sprungformen, Balance, Rumpfstabilität, Falltechnik. Es ersetzt das normale Aufwärmen — kostet also keine zusätzliche Zeit.
Ab 14: das Original
Ab etwa 14 Jahren wechselt man zum FIFA 11+ (Originalversion). Teams, die es mindestens zweimal pro Woche durchführen, hatten 30–50 % weniger verletzte Spielerinnen und Spieler.
05 Training aufbauen & steuern
Eine Einheit,
drei Teile.
Spielerisch aktivieren, dynamisch dehnen. Hier sitzt das FIFA-11+-Programm.
Schwerpunkt der Einheit — Technik und schnelle Inhalte früh, wenn Köpfe und Beine frisch sind.
Lockeres Spiel, ruhig ausrollen, kurzes Feedback. Den Abschluss positiv halten.
Dehnen — wann was
Vor dem Training: dynamisch. Beinschwünge, Ausfallschritte, Anfersen, Hüftkreisen. Das FIFA-11+-Aufwärmen ist genau das.
Nach dem Training: statisch. Ruhiges Halten (20–30 Sek.) verbessert auf Dauer die Beweglichkeit. Nicht als alleiniges Aufwärmen davor.
Belastung & Erholung im Blick behalten
- Intensive Inhalte und Spieltage über die Woche verteilen
- Schlaf ist die wichtigste Regeneration — gerade bei Jugendlichen
- Mehrfachbelastung beachten: Schule, Verein, andere Sportarten
- Schmerzen, die bleiben, ernst nehmen — nicht „wegtrainieren"
06 Ernährung & Regeneration
Gutes Essen,
keine Pulver.
Sportlerernährung im Jugendbereich ist keine Wissenschaft aus Supplementen, sondern normales, ausgewogenes Essen mit etwas Timing. „Food first" — echtes Essen vor Pulvern.
Etwa 30–60 Min. vorher eine leichte, kohlenhydratbetonte Kleinigkeit: Obst, Riegel, etwas Brot. Große Mahlzeiten mit 2–3 Stunden Abstand.
Über den ganzen Tag verteilt Wasser. Bei normalen Einheiten unter einer Stunde reicht Wasser völlig.
In den ersten ein bis zwei Stunden eine Mahlzeit aus Kohlenhydraten und etwas Eiweiß — füllt die Speicher und unterstützt die Muskulatur.
Problemlos abbildbar. Eiweiß aus Hülsenfrüchten, Tofu, Vollkorn, Nüssen. Auf Eisen, Vitamin B12 und Kalzium achten.
Energydrinks gehören nicht hierher
Koffeinhaltige Energydrinks sind für Kinder und Jugendliche im Sport ungeeignet. Wasser und gutes Essen decken den Bedarf vollständig.
Quellen & Links
Stand Mai 2026. Fachgesellschaften und systematische Übersichten.
- FIFA 11+ Kids — Wirksamkeit (Systematic Review). Journal of Orthopaedic Surgery and Research, 2024. link.springer.com
- FIFA 11+ Kids — Verletzungsprävention (Meta-Analyse). Int. J. Environ. Res. Public Health, 2022. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9566496
- Resistance Training for Children and Adolescents. American Academy of Pediatrics, 2020 (bestätigt 11/2024). publications.aap.org
- Position Statement on Youth Resistance Training: 2014 International Consensus. British Journal of Sports Medicine. bjsm.bmj.com/content/48/7/498
- Youth Athlete Development Models — Narrative Review. 2021. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8669922
- HIIT & Ausdauer bei jungen Athleten — Meta-Analyse. 2025. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12497894
- Optimizing Performance Nutrition for Adolescent Athletes. Nutrients, 2025. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12430154
- Practical Recommendations on Stretching — Delphi-Konsens. J. Sport and Health Science, 2025. sciencedirect.com
Kernkasten
Das Wesentliche in wenigen Sätzen. Wer schnell etwas nachschlagen will, liest nur diese Kästen.
Mehr dazu
Vertiefung für Erfahrene: Hintergründe, Details, Begründungen. Optional — der Kernkasten reicht für die Praxis.
01 Technik vor Taktik — was heißt das?
Erst der Ball,
dann der Plan.
Ohne Technik nützt die beste Taktik nichts
Technik ist das Handwerkszeug am Ball — Annahme, Pass, Dribbling, Schuss. Wer den Ball nicht sauber annehmen kann, kann nicht passen. Deshalb gilt im Jugendbereich: Technik vor Taktik — Kernaussage der DFB-Ausbildung.
Im Kinderfußball geht es noch nicht um Systeme, sondern um Spielintelligenz: sehen, entscheiden, handeln. Das wächst aus vielen Ballkontakten — nicht aus Tafelbildern.
Drei Ebenen der Taktik
- Individualtaktik — Entscheidungen im 1 gegen 1. Schwerpunkt E- und D-Jugend.
- Gruppentaktik — Zusammenspiel zu zweit bis viert. Schwerpunkt D- und C-Jugend.
- Mannschaftstaktik — das Team als Einheit. Schwerpunkt B- und A-Jugend.
02 Die vier Grundtechniken
Vier Bausteine,
jeden Tag.
Diese vier Techniken machen den Kern des Trainings aus — vom ersten Jahr an. Reihenfolge nach Wichtigkeit: Annahme zuerst, dann Pass, Dribbling, Schuss.
Die wichtigste Technik. Wer den Ball nicht sauber annimmt, kommt gar nicht erst zur nächsten Aktion.
Was üben: Innenseite, Sohle, Außenseite. „Positive Annahme" — erste Berührung in Spielrichtung.
Innenseite für kurze, präzise Pässe. Innenspann für lange, scharfe Bälle.
Was üben: Standbein neben den Ball, Spielbein durchschwingt, Pass kommt flach an.
Zwei Funktionen: Ball sichern und Gegner ausspielen.
Was üben: Viele Ballkontakte, beide Füße. Einfache Finten ab E: Ausfallschritt, Übersteiger.
Innenseite für Präzision. Vollspann für Wucht. Aus dem Lauf, aus dem Stand, beide Füße.
Was üben: Standbein-Position, Auge am Ball, Schussfuß nicht verkrampft.
Beidfüßigkeit ist kein Bonus, sondern Standard
Jede Technik wird mit beiden Füßen geübt — von Anfang an. Faustregel: was der starke Fuß macht, macht der schwache mindestens halb so oft.
Technik lebt vom Wiederholen
Eine Bewegung sitzt erst nach hunderten sauberen Wiederholungen. Lieber viele kurze Technik-Einheiten als seltene lange — und immer mit Bezug zum Spiel.
03 Kopfball — sensibel, nicht verboten
Lernen, aber
mit Augenmaß.
Die DFB-Linie: heranführen statt verbieten
Anders als in England oder den USA gibt es in Deutschland kein Kopfballverbot für Kinder. Der DFB setzt auf altersgerechte Heranführung.
Praxis: Schaumstoffbälle, Luftballons, Ultralight-Bälle. Ball aus der Hand zuwerfen. Wenige Wiederholungen. Bei nasskaltem Wetter weglassen.
- Ultralight-Ball (290 g) oder Schaumstoffball
- Niedrigster zugelassener Balldruck
- Ball aus der Hand werfen
- Stirn frontal treffen, Auge offen
- Wenige Wiederholungen, lange Pausen
- Kopfball-Schwerpunkttraining vor der C-Jugend
- Lange Distanzen bei Jüngeren
- Geköpfte Bälle bei nasskaltem Wetter
- Köpfen mit Schmerzen oder nach Kopfstoß
Wettkampf-Ball-Größen
- G/F-Jugend: Größe 3 oder 4 Light (290 g)
- E-Jugend: Größe 4 Light (290 g)
- D-Jugend: Größe 5 Light (350 g)
- Ab C-Jugend: normaler Ball, Kopfball regulär im Training
04 Spielintelligenz & Entscheidungen
Sehen, denken,
handeln.
Spielintelligenz wächst durch viele Spielsituationen, in denen das Kind selbst entscheidet — nicht aus Erklärungen.
Wo ist der Gegner? Wo der Mitspieler? Schulterblick vor dem Ball.
Pass, Dribbling oder Schuss? Die richtige Entscheidung beginnt im Kopf.
Jetzt kommt die Technik — sauber, zielgerichtet, im richtigen Tempo.
Schulterblick — kleines Wort, großer Hebel
Schon F-Jugendliche können lernen, vor der Ballannahme kurz über die Schulter zu sehen. Üben durch „Farbenrufen" oder „Zahlenrufen" im letzten Moment vor dem Ballkontakt.
Differenzielles Lernen
Variation schlägt Wiederholung: Wer dieselbe Bewegung in vielen kleinen Variationen ausprobiert, lernt schneller als wer sie immer gleich übt.
05 Spielformen statt Frontaltraining
So viel Spiel
wie möglich.
Kleinfeldspiele lehren am meisten
Kleine Spielformen (3 gegen 3, 4 gegen 4, Funino) bringen pro Kind mehr Ballkontakte, mehr Entscheidungen und mehr Intensität als jede andere Übungsform.
Faustregel: So viel Spiel wie möglich, so viel Übung wie nötig.
Beispielhafte Spielformen
Idee: Zwei Minitore pro Team, kein Torwart, kein Schiedsrichter.
So geht's: Feld ca. 25 × 20 m. Kein Coachen am Ball — die Kinder entscheiden selbst.
Idee: Annahme und Pass mit eingebauter Entscheidung.
So geht's: Trainer ruft im Moment der Annahme eine Farbe — zu der entsprechenden Station passen.
Idee: Angreifer hat zwei Tore zur Auswahl — Verteidiger kann nicht beide decken.
Achten auf: Finte erzwingt eine Reaktion. Tempo nach der Finte, nicht davor.
Trainingsaufbau, der trägt
- Aufwärmen — spielerisch aktivieren, FIFA 11+ Kids einbauen
- Technikblock — ein Schwerpunkt, kurz und konzentriert
- Spielform mit Schwerpunkt — derselbe Inhalt im Spiel
- Freies Spiel — als Belohnung und als ehrlicher Lernraum
06 Coaching-Prinzipien
Wie wir
Trainer sind.
Diese Prinzipien sind eine Haltung. Wer sie verinnerlicht, wird auch mit wenig Fachwissen ein guter Trainer.
Vormachen statt nur erklären
Kinder lernen über das Bild. Eine Bewegung kurz zeigen wirkt mehr als drei Minuten Beschreibung.
Fragen statt Anweisen
„Wo war Platz?" „Was hättest du sonst machen können?" Fragen fördern Denken, nicht Gehorsam.
Lob für Entscheidungen, nicht nur für Tore
Wer den richtigen Pass spielt und der Mitspieler vergibt: trotzdem gut gemacht.
Begeisterung statt Strafe
Strafrunden, lautes Schimpfen, Bloßstellen haben im Jugendfußball nichts zu suchen.
Fair-Play-Liga ernst nehmen
Im Kinderbereich (G/F) bleiben Eltern und Trainer hinter der Coachingzone. Die Kinder entscheiden selbst.
Lieber wenige Prinzipien sauber
Drei Dinge, die richtig sitzen, schlagen zehn halbgare. Ein Schwerpunkt pro Einheit reicht.
Quellen & Links
Stand Mai 2026. DFB-Konzeption, Verbands-Empfehlungen und wissenschaftliche Übersichten.
- DFB-Ausbildungskonzeption „Unser Weg". Deutscher Fußball-Bund, 2024. dfb.de/trainer
- Neue Spielformen im Kinderfußball. DFB-Rahmenwerk, seit Saison 2024/25 verbindlich. dfb.de/mehr-fussball/kinderfussball
- Altersgerechtes Kopfballspiel im Kinder- und Jugendfußball. DFB-Richtlinien, 2022. dfb.de — Kopfball-Richtlinien
- FA Heading Guidance — Phasing out heading in youth football. The Football Association, 2024. thefa.com
- Small-Sided Games in European Academies. ScienceDirect, 2026. sciencedirect.com
- Effects of Small-Sided Games on Technical Skills in Youth Soccer. NCBI/PMC. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12800094
- FUNiño — Spielform im Kinderfußball. fussballtraining.com. fussballtraining.com
Kernkasten
Das Wesentliche in wenigen Sätzen. Wer schnell etwas nachschlagen will, liest nur diese Kästen.
Mehr dazu
Vertiefung für Erfahrene: Hintergründe, Details, Begründungen. Optional — der Kernkasten reicht für die Praxis.
01 Die drei Taktik-Ebenen
Vom Einzelnen
zur Mannschaft.
Taktik ist mehr als Spielsystem
Die DFB-Konzeption unterscheidet drei Ebenen, die aufeinander aufbauen. Individualtaktik kommt zuerst — sie ist die Voraussetzung für Gruppentaktik, und die wiederum für Mannschaftstaktik. Wer mit 11-Jährigen Pressing-Schemata einübt, ohne dass sie das 1 gegen 1 lösen können, baut auf Sand.
Was der einzelne Spieler entscheidet: Anbieten, Lösen vom Gegner, ausspielen oder abspielen. Das Fundament jeder Taktik.
Zusammenspiel im kleinen Verbund: Doppelpass, Hinterlaufen, gemeinsames Pressing, Absichern.
Das Team als Einheit: Spielsystem, Aufbau, Verschieben, Standards, Pressing-Höhen.
Warum diese Reihenfolge wichtig ist
Mannschaftstaktik funktioniert nur, wenn die individuellen Bausteine sitzen. Wenn ein D-Jugendlicher sich nicht vom Gegner lösen kann, hilft ihm keine Pressing-Auslöser-Karte. Erst das 1 gegen 1 beherrschen, dann Zusammenspiel zu zweit/dritt, dann Systeme.
Wo wir die Stufen einüben
Individualtaktik im 1-gegen-1- und 2-gegen-2-Spiel. Gruppentaktik in kleinen Spielformen mit Über- oder Unterzahl (3 gegen 2, 4 gegen 3). Mannschaftstaktik in größeren Spielformen (7 gegen 7, 9 gegen 9, 11 gegen 11).
02 Altersgerechte Schwerpunkte
Was wann
im Vordergrund.
Drei Blöcke vom freien Spiel zum strukturierten Mannschaftsspiel. Die Altersangaben sind Richtwerte — der Entwicklungsstand entscheidet.
Spielen, spielen, spielen — keine Taktik.
Ballgewöhnung, viele Ballkontakte, freies Spielen. Keine festen Positionen, kein Spielsystem. Wer hier Taktik einübt, raubt Lernzeit für die Basis.
1 gegen 1 — Individualtaktik im Mittelpunkt.
Anbieten und Lösen, ausspielen oder abspielen. Erste sehr lose Aufteilung im Spiel (vorn/hinten) — Positionen rotieren, alle spielen alles.
Gruppentaktik wird Thema.
Doppelpass, Hinterlaufen, Anspielpunkte. Erste Spielsystem-Ideen (3-3-2 im 9 gegen 9). Positionsrotation bleibt wichtig.
Mannschaftstaktik auf dem Großfeld.
Erstmals 11 gegen 11. Klares Spielsystem (4-3-3, 4-4-2), Positionsverständnis, Aufbau aus der Abwehr, Pressing-Höhen.
Feinschliff und Flexibilität.
Mehrere Spielsysteme kennenlernen, Anpassung an Gegner. Detaillierte Standards, Spielphasen-Verständnis.
Positionen rotieren — auch in der D
Wer ein Kind in der E- oder D-Jugend dauerhaft als Innenverteidiger oder Stürmer festlegt, raubt ihm Erfahrungen. Erst ab der C-Jugend kristallisieren sich Positionen sinnvoll heraus.
Hessischer Verband — eigene Regelungen prüfen
Die DFB-Rahmenregelung ist verbindlich, aber der HFV kann innerhalb des Rahmens eigene Akzente setzen. Vor jeder Saison kurz prüfen, was aktuell gilt.
03 Spielformen je Alter (DFB-Reform)
Kleinere Felder,
mehr Aktionen.
Seit 2024/25 bundesweit verbindlich
Der DFB hat die Wettkampfformate für G-, F- und E-Jugend reformiert. Kleinere Mannschaften auf kleineren Feldern, oft auf Minitore, mit Rotationsprinzip. Ziel: mehr Ballaktionen, mehr Tore, mehr Erfolgserlebnisse pro Kind.
Feld 16 × 20 m, kein Torwart, kein Schiedsrichter.
Keine Meisterschaftsrunde, stattdessen Spielenachmittage und Festivals.
2v23v34 Minitore3 gegen 3 für maximale Ballaktionen.
Alternativ 5 gegen 5. Kein Meisterschaftssystem, Festival-Format, 12 Minuten pro Durchgang.
3v35v5 alt.FuninoÜbergang zum Spiel mit Torwart.
5 gegen 5 wie in der F-Jugend — oder 7 gegen 7 mit Torwart und zwei Kleinfeldtoren.
5v57v7Brücke zum Großfeld.
9 gegen 9 vermeidet den zu großen Sprung. Erstmals mit Abseits. Platz für erste Spielsystem-Ideen.
9v9AbseitsVoller Wettkampf-Modus.
Großes Feld, volle Mannschaftsstärke, alle Regeln. Positionen, Systeme, Standards.
11v11Großfeld04 Spielsysteme — wann welches
System als
Mittel zum Zweck.
Ein Spielsystem ist eine Grundordnung — wo stehen die Spieler in der Anfangsformation. Im Jugendfußball wählen wir es so, dass die Kinder es verstehen und es zur Entwicklungsstufe passt — nicht nach Profi-Mode.
E-Jugend · 7 gegen 7
1–3–2 oder 1–2–3
Sehr einfache Aufteilung. Wenig Anweisungen, viel Rotation.
Achten auf: Positionen sind keine festen Aufgaben — Spieler sollen sich bewegen, wo das Spiel sie ruft.
D-Jugend · 9 gegen 9
3–3–2
Dreierkette lehrt Verschieben im Verbund. Drei im MF erlauben Passdreiecke.
Achten auf: Brücke zum 11er-System — die Grundideen leben auf dem Großfeld weiter.
C-Jugend · 11 gegen 11
4–3–3 (Lern-System)
Viererkette + Dreiecke im MF + Breite vorn. Jede Position hat eine klare Aufgabe.
Achten auf: Wichtiger als die Systemwahl: dass alle die Grundordnung verstehen.
Profi-Trends nicht 1:1 übernehmen
Profi-Mannschaften spielen 4-2-3-1 oder 3-4-3. Für Kinder zu komplex — wir nehmen einfache Grundsysteme und sorgen dafür, dass sie wirklich verstanden werden.
B/A: mehrere Systeme kennenlernen
Erst ab der B-Jugend macht es Sinn, verschiedene Systeme einzuüben und je nach Gegner zu wechseln.
05 Mannschaftstaktik · Grundbegriffe
Vier Konzepte,
die jeder kennt.
Diese vier Begriffe begegnen jedem Trainer ab D-Jugend ständig. Hier kompakt erklärt — damit alle dasselbe meinen, wenn sie auf dem Platz davon reden.
Wie der Ball vom eigenen Tor nach vorn kommt. Kurz und sicher mit Pässen, oder lang über die Spitze.
Ab D-Jugend Thema: Aufbau über Außenverteidiger, Anbieten der Sechs, Pässe ins Mittelfeld.
Wann und wo der Gegner gestört wird. Hoch (gleich nach Ballverlust), mittel (im Mittelfeld) oder tief (am eigenen Strafraum).
Im Jugendbereich beginnt es mit „Wer geht zum Ball?" und „Wer sichert ab?"
Der Moment des Ballwechsels. Bei Ballverlust sofort verteidigen, bei Balleroberung schnell nach vorn.
Die ersten Sekunden nach dem Ballwechsel bestimmen, ob daraus eine Chance wird — oder ein Gegentor.
Die Abwehrkette und das Team bewegen sich als Einheit zum Ball, nicht als einzelne Spieler.
Faustregel: alle gehen zwei Schritte zur Ballseite. Das schließt Räume zur Mitte.
Spielphasen — der gemeinsame Rahmen
Modern wird Fußball in vier Spielphasen gedacht: Ballbesitz, Umschalten nach Ballverlust, Verteidigen und Umschalten nach Balleroberung. Eine nützliche Sortierung für die Trainingsplanung auch bei C- und B-Jugend.
Standards nicht vergessen
Ab dem 11er-Feld werden Standards (Ecken, Freistöße) ein eigenes Trainingsthema. Studien zeigen, dass 25–35 % aller Tore aus Standards fallen — das verdient Zeit.
Quellen & Links
Stand Mai 2026. DFB-Konzeption, Verbandsregelungen und wissenschaftliche Übersichten.
- DFB-Ausbildungskonzeption „Unser Weg". Deutscher Fußball-Bund, 2024. dfb.de/trainer
- Neue Spielformen im Kinderfußball — Übersicht & FAQ. DFB, verbindlich seit 2024/25. dfb.de/mehr-fussball/kinderfussball
- Die neuen Spielformen im Kinderfußball — Mannschaftsgrößen & Feldmaße. fussball.de Training-Service. training-service.fussball.de
- 9 gegen 9 mit D-Junioren. fussball.de Training-Service. training-service.fussball.de — 9 gegen 9
- Hessischer Fußball-Verband — Jugendspielbetrieb. hfv-online.de
- Spielsysteme auf dem 9er-Feld. soccerdrills.de. soccerdrills.de
- Tactical Behaviour of Youth Soccer Players. PMC, 2020. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
- Effects of Tactical Formations on Team Behaviors in Youth Soccer. NCBI/PMC. ncbi.nlm.nih.gov
- Small-Sided Games in Top European Academies. ScienceDirect, 2026. sciencedirect.com